
Staub, Tränen und die Stille danach
Unsere Reise beim Africa Eco Race Anfang 2026 war kein normaler Roadtrip. Es war ein 6.000 Kilometer langer Härtetest für Mensch, Maschine und unseren alten Defender 90, der schon bei den ersten Dakar-Rallyes hätte am Start stehen können. Die Route? Einmal quer durch durch 2 Kontinente. Damit wir überhaupt an den Start gehen konnten, war eine intensive Vorbereitung nötig. Über knapp ein Jahr hinweg hat uns Offroad Partner dabei geholfen, den Land Rover Defender 90 von Grund auf für diese Strapazen aufzubauen. Dank ihrer langjährigen Rallye-Erfahrung mit genau diesen Fahrzeugen haben wir wertvolle Tipps bekommen, die am Ende den entscheidenden Unterschied gemacht haben. Wir waren gemeinsam so gut vorbereitet, dass sich jede Stunde in der Werkstatt ausgezahlt hat. Viel Spaß beim Lesen!
Der Startschuss fiel in Marseille mit einem Show Run auf die Fähre. Doch bevor wir afrikanischen Boden berührten, wartete ein ganz eigener Härtetest: 12 endlose Stunden Wartezeit am Hafen, bevor wir endlich auf die Fähre rollten – ein Schiff, gechartert exklusiv für das Africa Eco Race. Alle Teilnehmer waren für drei Tage gemeinsam auf einem Boot. Es war die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, gepaart mit den letzten Vorbereitungen und ordentlich Seegang. Die Wellen waren teilweise so heftig, dass das Wasser in der Kabine abwechselnd brav im Abfluss der Duschwanne gluckerte oder in die andere Ecke des Zimmers schwappte.
Als wir drei Tage später endlich abladen durften, war die Vorfreude auf afrikanischem Boden greifbar. Aber: Wer denkt, eine Rallye startet am Lenkrad, irrt sich gewaltig. In Tanger hieß es erst mal: Eine Woche Vollgas beim Papierkram. Lizenzen checken, administrative Abnahme, medizinisches Go abholen und natürlich das Scrutineering. Das heißt: Rollkäfig prüfen, Helme checken, Tracking- und GPS-Systeme verkabeln. Das volle Programm eben. Wenn du tagelang schraubst und auf Stempel wartest, staut sich die Anspannung extrem an.
Dann ging es endlich los – dachten wir. Schon eine Woche vor dem Start gab es extrem starke Regenfälle, die weite Teile der Strecke komplett unter Wasser setzten. Als wäre das nicht genug, wartete im Atlas-Gebirge, wo unsere erste Special Stage verlaufen sollte, ein ganzer Meter Neuschnee. Afrika ist eben unberechenbar. Die Stage wurde knallhart abgesagt und bescherte uns stattdessen am ersten Rallye-Tag eine extrem lange Liaison von knapp 1.000 Kilometern. Also weiter in die Rennanzüge gekuschelt und durch den nassen, weißen Matsch gekämpft.
Am ersten richtigen Wertungstag in der Wüste passierte es dann: Wir hatten mit den üblichen Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen und konnten schlichtweg noch nicht überzeugen. Es kam zu diversen Patzern – allen voran ein Navigationsfehler in der flirrenden Hitze, der uns wertvolle Minuten kostete. Wir standen vor der Entscheidung, unseren Joker zu ziehen (von dem man nur einen pro Woche hat), wollten ihn aber nicht direkt am ersten Tag verpulvern. Rückblickend hätten wir das mal machen sollen! Denn genau dieser frühe Fehler kostete uns am Ende in unserem Baujahr den Gesamtsieg. Aber dieser Moment war unser Weckruf. Ab da gab es nur noch 100 Prozent Fokus.
Und das zahlte sich aus: Die kommenden Stages liefen Tag für Tag besser. Wir konnten uns im Feld richtig gut positionieren und uns als Team immer weiter einspielen. Plötzlich lief alles wie geplant rund und komplett ohne Probleme. Führten uns die ersten Wertungsprüfungen noch viel über harte Pisten und durch raues Gebirge, so wurde der Sandanteil Tag für Tag dominanter.
Die Wüste zieht dir den Stecker und baut dich neu zusammen. Fata Morganas kennt man aus Erzählungen – aber wenn du sie selbst siehst, wie plötzlich Wasser am Horizont flimmert und sich dann in Sand auflöst, zweifelst du ernsthaft an deinem Verstand. Dazu kamen Heuschreckenschwärme, die so massiv gegen den Defender prasselten, dass man an nichts anderes mehr denken konnte. Und nach Stunden der totalen Einsamkeit freut man sich selbst über ein Kamel am Wegesrand wie über einen alten Bekannten.
Unser Luxus in dieser Zeit? Salami-Sticks und Apfelmus. Wenn du nach einer bestandenen Wertungsprüfung völlig im Eimer auf dem Sand sitzt, schmeckt das besser als jedes Dinner im Sterne-Restaurant. Genau diese komplette erste Woche haben wir genutzt, um jeden Handgriff und unsere Abstimmung so weit zu optimieren, dass in der zweiten Hälfte schlichtweg keine Fehler mehr passieren sollten. Und der Plan ging voll auf: Die zweite Woche lief absolut wie am Schnürchen.
Kurze Nächte, Sand in jeder Ritze des Zelts und morgens buchstäblich im Sand begraben aufwachen – das war Alltag. Damit wir dieses Tempo durchhalten konnten, musste der Defender jede Nacht „perpetuiert“ werden. Hier war Liqui Moly unser absolutes Rückgrat.
Es gab keine Kompromisse: Die Fettpresse war im Dauereinsatz, um den mörderischen Sand aus den Gelenken zu drücken. Die Hochleistungsöle hielten unser Getriebe selbst bei 40 Grad plus am Laufen. Wir hatten alles im Griff. Nur als unsere Frontscheibe komplett zersplitterte, musste selbst der beste Glasreiniger kapitulieren. Wir hatten eine Ersatzscheibe, welche am Abend schnell eingesetzt wurde.
Nach über 6.000 Kilometern tauchte der Lac Rose auf. Wir hatten es geschafft: Platz 2 der Fahrzeuge bis Baujahr 1987.
Es ging über knapp 20km Strand direkt an den Lac rose. Ein Zieleinlauf der besser nicht hätte sein können. Verfolgt von Helikoptern und unzählig vielen Gleichgesinnten. Der Zieleinlauf und die anschließende Fahrt durch die Straßen von Dakar waren überwältigend. Tausende Eindrücke, Farben, Gerüche und ein völliges Chaos prasselten auf uns ein. Mit leichten Tränen in den Augen fühlte es sich an wie eine komplett andere Welt. Pures Glück.
Kurz darauf lagen wir auf den Liegen an unserem Hotel am Meer. Jeder hatte ein kühles Bier direkt neben sich stehen. Wir starrten einfach nur auf die Wahnsinns-Kulisse. Es gab keine Worte für diesen Moment. Also haben wir geschwiegen. Alles war gesagt.
Dieses Bier und dieser Erfolg gehören dem kompletten Team. Jens, unser Pilot, der den Defender souverän durch Passagen prügelte, die eigentlich völlig unpassierbar wirkten. Jörg, der Freund und strategische Ruhepol, der selbst im größten Chaos immer einen klaren Kopf behielt. André, unser technisches Mastermind, das für jedes mechanische Problem sofort die passende Lösung aus dem Werkzeugkasten zog. Und Anni, unsere gute Seele, die jeden Morgen in tiefster Dunkelheit mit frischem Kaffee dafür sorgte, dass wir überhaupt in den Tag starten konnten. Diese Rallye hat uns für viele unserer momentanen Projekte einen völlig neuen Fokus gegeben. Wir sind bereit für die nächsten Kilometer im Sand. Vielen Dank für die Reise bis dahin, euer Co-Pilot Jonas








































